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Über mich

Ich wurde geboren - so viel steht fest. Irgendwann am 20. Februar 1950 in Tübingen an Neckar und Steinlach. Mein Vater war Fotograf und meine Mutter Schriftstellerin, und da sich sein Labor in der Wohnung befand, bin ich mit dem Geruch von Eisessig und Fixierbad groß geworden. Durch diese frühe Prägung war mein weiterer Werdegang praktisch vorgezeichnet. Nach Abitur und Wehrdienst begann ich Fotoingenieurwesen zu studieren. Die Verbindung von Technik und Kreativität hat mich daran besonders gereizt, und so sieht man es meinen Fotos auch heute noch an, dass die Technik immer etwas im Vordergrund steht. Dies war auch mein erster Kontakt zu Köln, welches sich dann mehr und mehr zu meiner Wahlheimat entwickelt hat. Zunächst einmal musste ich nach dem Studium jedoch den Einstieg ins Berufsleben angehen. Fotograf wollte ich nicht werden, und so bot sich an, in die Fotoindustrie zu gehen, dorthin, wo alles beginnt.

So habe ich dann 1977 bei der Firma TURA in Düren angefangen, Filme und Fotopapiere herzustellen. In einer Fabrik zu arbeiten, hat schon etwas magisches, wenn man sieht, wie aus hunderten Bestandteilen und zahlreichen Verarbeitungsschritten das Produkt entsteht, welches man bis dahin nur benutzt hat. Das war allerdings keine moderne Fabrik, sondern eher eine Mischung aus Großküche und Schlachterei. In großen Kesseln wurde eine Mischung aus Wasser, Gelatine, Silbernitrat, Kaliumbromid und -chlorid stundenlang erhitzt, dann in große Bottiche abgelassen, abgekühlt, genudelt, gewässert und ins Kühlhaus gebracht: die Emulsion (eigentlich eine Suspension).Vor dem Beguss wurde sie wiederum erhitzt, mit Sensibilisatoren, Stabilisatoren, Netzmittel versetzt und zu den Begießmaschinen gebracht, wo sie dann im Tauchverfahren auf lange Papier- oder Filmrollen aufgebracht wurde.

Aber nichts ist von Dauer und so meldete die Firma Ende 1994 Konkurs an. Es folgte ein wunderschönes Jahr des Nicht-Arbeitens, doch dann musste ich wieder Geld verdienen. Gleich meine erste Bewerbung führte mich zu Fujifilm in Düsseldorf, wo ich nach einem durch ein Schneechaos verursachtes verspätetes Bewerbungsgespräch viele schöne Jahre verbrachte. Ich lernte die Abläufe in einem Weltunternehmen kennen, mit Japanern umzugehen und tauchte in die Welt der Fach- und Großlabore ein, die ich in Qualitätsfragen beraten durfte. Nebenbei begann ich, Computer zu programmieren, denn ich wollte, dass der Computer das tat, was ich wollte und nicht umgekehrt. In dieser Zeit begann die digitale Fotografie immer mehr an Boden zu gewinnen. Noch wehrte sich der analoge Film - die ersten Digitalkameras waren noch nicht gut genug. Auf der Seite der Labore war die Entwicklung schon weiter: immer mehr Fotopapier wurde statt mit Lampen mit Laserlicht belichtet. So konnte man von analogen Filmen als auch von digitalen Bilddateien gleichermaßen Abzüge auf Fotopapier anfertigen. Fujifilm wurde in dieser Zeit Marktführer bei digitalen Minilabs. überall schossen Shops mit Minilabs aus dem Boden, die einen Stunden-Service anboten. Sie sind fast alle wieder verschwunden, weil die meisten digitalen Aufnahmen inzwischen digital bleiben - auf Rechnern, im Netz oder auf Handys. In den wenigen Jahren bei Fujifilm konnte ich aus nächster Nähe erleben, wie eine Technologie durch eine andere abgelöst wurde. Im Nachhinein kann ich es immer noch nicht fassen, wie schnell das ging. Ich sah, wie einst große Fotofirmen und Labore verschwanden, wie die Filmproduktion heruntergefahren wurde, ein Digitalkamermodell das nächste jagte und die Photokina immer kleiner wurde.

Es wurde also Zeit, sich aus der Fotobranche zu verabschieden. Da ich inzwischen recht gut programmieren konnte, wechselte ich in die Versicherungsbranche, wo ich ein Projekt betreute, welches ungefähr solange bestand, wie ich noch zu arbeiten hatte. Das war bis 2015. Seitdem hätte ich mehr Zeit, Texte wie diesen zu Schreiben und fotografieren, wenn ich nicht dieser wunderbaren Frau begenet wäre, die jetzt meine Ehefrau ist.