Etwas über Farbe

Immer, wenn ich im Bekanntenkreis das Thema "Farbmanagement" erwähne, erhalte ich zunächst interessierte und dann weitgehend ratlose Reaktionen bis hin zu der Frage, wozu man das überhaupt brauche. Heute sind die Standards in Hard- und Software soweit fortgeschritten, dass durchgehendes Farbmanagement nahezu automatisch und vom Benutzer unbemerkt angewendet wird. Die Frage kann man heute so beantworten: jeder benutzt es und keiner braucht es. Jedenfalls nicht bewusst. Aber da Fotografen neugierige Menschen sind, will ich hier einen kurzen überblick geben, warum Farben gemanagt werden müssen, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen.

Während meiner beruflichen Laufbahn habe ich mich schon früh mit dem Thema "Farbmanagement für Fotografen" beschäftigt. Damals war Farbmanagement lediglich in der Druck- und Lackierbranche ein Begriff - die Fotografen hatten ja ihren Film und das Farbmanagement war rein chemisch. Mit dem Aufkommen der digitalen Fotografie hatte der Fotograf plötzlich kein eindeutig definiertes Originalbild mehr in der Hand, sondern eine Ansammlung von Pixeln auf einer Speicherkarte. Gut, Rot war Rot und Grün war Grün - wo sollte es da ein Problem geben? Aber spätestens beim Versuch, Bilder selbst auszudrucken, merkte man, dass die Bilder ganz anders aussahen als auf dem Bildschirm. Und man begann, die Datei Zug um Zug so zu verändern, dass das Druckergebnis halbwegs dem gewünschten entsprach - das Anfertigen von Filterproben kannte man ja schon aus dem Farblabor. Ein solches Vorgehen war natürlich umständlich und im professionellen Umfeld absolut unmöglich. Also mussten sich auch Fotografen mit dem Thema befassen.

Digitale Realit&aml;t So viele Bildschirme! Welcher zeigt die "Wahrheit"?

Wo liegt eigentlich das Problem bei der Weitergabe von Farbinformation? Es gibt Normen wie RAL, in der viele Farbtöne durch Nummern gekennzeichnet sind. Wenn eine solche Nummer an einen Empfänger übermittelt wird, weiß dieser genau, welche Farbe gemeint ist. Wenn aber ein Wert von Rot=200, Grün=100, Blau=50 übermittelt wird, weiß der Empfänger nur, dass er 200 Rot, 100 Grün und 50 Blau mischen soll (in Wirklichkeit wird ein Drucker nicht Rot, Grün und Blau, sondern Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz mischen). Aber welches Rot, Grün oder Blau? Die Grundfarben und die Mischtechnik sind unter den verschiedenen Ausgabegeräten nicht genormt. Ein Laserdrucker wird ein anderes Ergebnis liefern als ein Tintenstrahldrucker oder ein Fotolabor. Auch die Farben, die man auf dem Bildschirm sieht, weichen von Gerät zu Gerät zum Teil deutlich ab. Daher müssen die Farben für jedes einzelne Gerät beschrieben werden, aber nicht durch Nummern, sondern durch ein Koordinatensystem, welches den Farbeindruck eindeutig beschreibt. Dann kann von dem einen in das andere Koordinatensystem umgerechnet werden. Dieses Koordinatensystem basiert auf dem CIE L*a*b*-Farbraum und dadurch ist gewährleistet, dass Farbinformationen geräteunabhängig weitergegeben werden können.

Zugegeben - dies ist eine stark verkürzte Darstellung des Sachverhaltes. Sie soll lediglich die zugrunde liegende Problematik verdeutlichen, die vielen, die mit Farbe umgehen, gar nicht bewusst ist.